Emotionsregulation: 11 Fragebögen und psychometrische Skalen

Fragebögen zur Emotionsregulation sind psychometrische Verfahren, die erfassen, wie Menschen ihre emotionalen Zustände modulieren. Sie helfen, Regulationsschwierigkeiten zu erkennen, die eingesetzten Strategien einzuschätzen und ihre Veränderung in der klinischen Praxis zu verfolgen.

Cognitive Emotion Regulation Questionnaire

CERQ

Fragebogen zur kognitiven Emotionsregulation (CERQ)

Der CERQ ist ein Selbstbeurteilungsinstrument, das die kognitiven Emotionsregulationsstrategien erfasst, die Personen nach negativen oder belastenden Ereignissen einsetzen. Er unterscheidet anhand von neun Strategien verschiedene Arten der kognitiven Verarbeitung von Emotionen, etwa Rumination, Relativieren oder Katastrophisieren. Der Fragebogen wird in Klinik und Forschung eingesetzt, um die Mechanismen der emotionalen Anpassung besser zu verstehen.

36 Fragen~15 minErwachsene, Jugendliche
Emotional Quotient Inventory

EQ-i

Inventar zum emotionalen Quotienten (EQ-i)

Das Inventar zum emotionalen Quotienten (EQ-i) ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung wahrgenommener emotionaler und sozialer Kompetenzen. Es erfasst insbesondere das intrapersonale Funktionieren, zwischenmenschliche Beziehungen, Anpassungsfähigkeit, Stressbewältigung und allgemeine Stimmung. Psycholog:innen setzen es in Klinik, Beratung, Berufsorientierung und bei der Beurteilung des persönlichen Funktionsniveaus ein; es liefert ein strukturiertes Profil des wahrgenommenen emotionalen Quotienten. Das Instrument begründet allein keine psychopathologische Diagnose, ist aber eine nützliche Hilfe, um emotionale Ressourcen, Anpassungsschwächen und Arbeitsbereiche für die psychologische Begleitung zu verstehen.

133 Fragen~30 minErwachsene
Inventory of Altered Self-Capacities

IASC

Inventar veränderter Selbstfähigkeiten (IASC)

Das IASC ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung von Schwierigkeiten in den Bereichen Emotionsregulation, Identität, zwischenmenschliche Beziehungen und bestimmter Bewältigungsmuster, die häufig mit psychischen Traumata einhergehen, insbesondere mit Entwicklungstraumata und komplexen Traumata. Es hilft Psycholog:innen, Veränderungen im Selbstfunktionieren zu objektivieren, die von Skalen, die sich nur auf Angst, Depression oder posttraumatische Belastungsstörung konzentrieren, nicht immer erfasst werden. Das Instrument ist besonders nützlich in der klinischen Diagnostik von Erwachsenen mit Missbrauch, Vernachlässigung, wiederholter Viktimisierung oder ausgeprägten Störungen der Bindung und emotionalen Stabilität in der Vorgeschichte. Seine Interpretation beruht auf einem Profil von Subdimensionen statt auf einer einzelnen kategorialen Diagnose, was es zu einem geeigneten Instrument für Screening, Fallkonzeption und therapeutische Verlaufsbeobachtung macht.

63 Fragen~15 minErwachsene
Emotion Regulation Checklist

ERC

Checkliste zur Emotionsregulation (ERC)

Die ERC ist ein Fragebogen zur Erfassung der Emotionsregulation und von Problemen im emotionalen Ausdruck bei Kindern, gestützt auf Beobachtungen der Eltern oder Lehrkräfte. Sie umfasst zwei Hauptdimensionen: Emotionsregulation sowie Labilität/Negativität. Das Verfahren eignet sich zur Früherkennung emotionaler Schwierigkeiten und zur Ausrichtung therapeutischer Interventionen.

24 Fragen~6 minKinder, Eltern/Lehrkräfte
Emotion Dysregulation Scale

EDS

Skala zur Emotionsdysregulation (EDS)

Die EDS ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung der Emotionsdysregulation bei Erwachsenen. Sie erfasst Schwierigkeiten, die eigenen Emotionen zu erkennen, zu verstehen, auszuhalten und zu regulieren, sowie die Neigung, von ihnen überwältigt zu werden oder unter emotionaler Belastung unangemessen zu reagieren. Das Verfahren wird in der klinischen Praxis und in der Forschung eingesetzt, insbesondere bei Traumafolgen, Borderline-Symptomatik, Angst, Depression oder posttraumatischer Belastung, und liefert eine nützliche dimensionale Einschätzung des Schweregrads der Schwierigkeiten in der Emotionsregulation.

24 Fragen~7 minErwachsene
Interpersonal Emotion Regulation Questionnaire

IERQ

Fragebogen zur interpersonellen Emotionsregulation (IERQ)

Der IERQ ist ein kurzer Selbstbeurteilungsfragebogen, der erfasst, wie eine Person andere Menschen nutzt, um die eigenen Emotionen zu regulieren. Er erfasst vier unterschiedliche interpersonelle Strategien: Verstärkung positiver Affekte, Perspektivübernahme, Beruhigung und soziales Modelllernen. Das Verfahren ist vor allem für Erwachsene in der klinischen Psychologie und in der Forschung relevant, um die Nutzung von Beziehungsressourcen beim Umgang mit Emotionen zu untersuchen, insbesondere im Zusammenhang mit Angst, Depression, Bindung und sozialem Funktionsniveau.

20 Fragen~5 minErwachsene
Distress Tolerance Scale

DTS

Skala zur Belastungstoleranz (DTS)

Die DTS ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung der wahrgenommenen Toleranz gegenüber emotionaler Belastung, d. h. der Fähigkeit einer Person, negative affektive Zustände auszuhalten, einzuschätzen und zu regulieren. Das Verfahren erfasst vier sich ergänzende Dimensionen: Toleranz, Absorption der Aufmerksamkeit, Bewertung der Belastung und Regulationsbemühungen. Es ist in der klinischen Psychologie und in der Forschung weit verbreitet und hilft, eine transdiagnostische Vulnerabilität zu erkennen, die bei Angststörungen, Suchtverhalten, Schwierigkeiten der Emotionsregulation und verschiedenen Formen psychischer Belastung eine Rolle spielt. Es stellt für sich genommen keine Diagnose, liefert aber einen nützlichen Anhaltspunkt für die Einschätzung der emotionalen Funktionsweise und die Verfolgung des klinischen Verlaufs.

15 Fragen~3 minErwachsene
Affective Lability Scale

ALS

Skala affektiver Labilität (ALS)

Die ALS ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung affektiver Labilität, d. h. der Neigung zu raschen, ausgeprägten und schwer regulierbaren Stimmungswechseln. Sie erfasst Häufigkeit und Intensität emotionaler Schwankungen, insbesondere zwischen Zuständen wie Angst, Traurigkeit, Ärger und gehobener Stimmung. Die ALS wird in klinischer Praxis und Forschung eingesetzt, um emotionale Instabilität zu dokumentieren, insbesondere bei Persönlichkeitsstörungen, bestimmten affektiven Störungen und Problemen der Emotionsregulation. Sie ist für sich genommen kein Diagnoseinstrument, liefert aber ein nützliches Maß für den Schweregrad der affektiven Labilität und ihre klinischen Auswirkungen.

54 Fragen~10 minErwachsene
Ego State Questionnaire

ESQ

Fragebogen zu den Ich-Zuständen (ESQ)

Der ESQ ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen aus dem Bezugsrahmen der Transaktionsanalyse, der erfasst, wie eine Person im Alltag auf ihre wichtigsten Ich-Zustände zurückgreift. Das Instrument soll in der Regel das relative Gewicht von fünf funktionalen Dimensionen einschätzen, die in der TA häufig beschrieben werden: Kritisches Eltern-Ich, Fürsorgliches Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Freies Kind-Ich und Angepasstes Kind-Ich. In der klinischen Praxis kann es Psycholog:innen helfen, die Exploration von Beziehungsstilen, Mustern der Emotionsregulation, gewohnten Stressreaktionen und zwischenmenschlichen Skripten zu strukturieren. Der ESQ wird vor allem als Screening- und Reflexionsinstrument ergänzend zum Gespräch eingesetzt und nicht als eigenständiges Diagnoseinstrument.

40 Fragen~10 minJugendliche und Erwachsene
Emotion Reactivity Scale

ERS

Skala zur emotionalen Reaktivität (ERS)

Die ERS ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung der emotionalen Reaktivität, d. h. der Neigung, schnell, intensiv und anhaltend auf Emotionen zu reagieren. Sie erfasst vor allem drei klinisch relevante Dimensionen: emotionale Sensitivität, emotionale Intensität bzw. Erregung und die Persistenz emotionaler Zustände. Das Verfahren wird bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen in der klinischen Praxis wie in der Forschung eingesetzt, insbesondere zur Abklärung von Emotionsdysregulation, affektiven Störungen, selbstverletzendem Verhalten und bestimmten Persönlichkeitsstörungen. Es ist für sich genommen kein diagnostischer Test, hilft aber, das Gesamtniveau der emotionalen Reaktivität zu objektivieren und seine Veränderung im Verlauf zu verfolgen.

21 Fragen~5 minJugendliche und Erwachsene
Difficulties in Emotion Regulation Scale

DERS

Skala zu Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation (DERS)

Die DERS erfasst Probleme der Emotionsregulation in mehreren Dimensionen, darunter das Verstehen und Akzeptieren von Emotionen sowie die Fähigkeit, angesichts von Emotionen angemessen zu handeln. Sie wird eingesetzt, um emotionale Störungen bei Erwachsenen zu erkennen.

36 Fragen~9 minErwachsene, Jugendliche

Häufige Fragen

Was messen diese Skalen?

Je nach Verfahren die eingesetzten Regulationsstrategien oder die Schwierigkeiten, Emotionen zu erkennen, zu akzeptieren und zu modulieren. Jeder Fragebogen gibt an, was er misst.

Neubewertung oder Unterdrückung: Was ist der Unterschied?

Die kognitive Neubewertung verändert die Interpretation einer Situation; die Unterdrückung hemmt den emotionalen Ausdruck und ist oft mit höheren Kosten verbunden.

Welchen Nutzen hat das in der Sitzung?

Das Erkennen von Regulationsschwierigkeiten hilft, Behandlungsziele festzulegen und Fortschritte im Behandlungsverlauf zu verfolgen.

Emotionsregulation in der klinischen Praxis

Emotionsregulation bezeichnet alle Prozesse, mit denen Menschen Art, Intensität und Ausdruck ihrer Emotionen beeinflussen. Schwierigkeiten damit sind häufig und transdiagnostisch.

Skalen quantifizieren adaptive oder dysfunktionale Regulationsstrategien sowie Schwierigkeiten beim Zugang zu Emotionen und im Umgang mit ihnen; sie weisen auf Behandlungsziele hin.

  • Emotionsdysregulation ist ein transdiagnostischer Faktor, der insbesondere bei affektiven Störungen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen eine Rolle spielt.
  • Eher adaptive Strategien wie die kognitive Neubewertung unterscheiden sich von Strategien mit höheren Kosten wie der expressiven Unterdrückung.
  • Diese Skalen erfassen Prozesse, keine Diagnose: Sie ergänzen das klinische Gespräch.